DURCH DIE WÜSTE - EINE WANDLUNGSREISE
Auf der Suche nach der inneren Stille
Porträt von Bettina Specht
Langsam wird das Denken weniger. Ich liege in meinem Schlafsack, und alles ist gut. Bloß dieses Geräusch kann ich nicht einordnen. Es kann kein Kühlschrank sein. Auch kein in der Ferne vorbeifahrender LKW. Nicht hier! Jemand hat mir erzählt: Wenn der Wind völlig zur Ruhe kommt und die Sandkörner sich setzen, entsteht ein Brummen. Ich entspanne mich in diesen tiefen Brummton hinein. Das Bewusstsein breitet sich weit über die Dünen aus. Jetzt komme ich tatsächlich zur Ruhe. Das also ist der Klang der Wüste!
Seit nunmehr fast 15 Jahren komme ich immer wieder hierher, und die Wüste überrascht mich jedes Mal mit etwas anderem. Bei meinem ersten Retreat 1996 in der Sahara war ich überwältigt von den Erlebnissen, die ich erfahren durfte. Bis heute erinnere ich das als Licht, eingebettet in ein Gefühl von Gnade. Es hat mein Leben von Grund auf verändert.
In ihrer Weite und Leerheit bietet die Wüste den Raum für Erfahrungen, die jenseits unseres normalen Horizontes liegen. Es hat schon seine guten Gründe, dass auf vielen spirituellen Wegen Suchende ebenso wie Meister und Heilige sich für eine Zeit in die gewählte Einsamkeit der Natur zurückgezogen haben. In dem Moment, in dem mein bewusster Verstand nichts mehr zum Festhalten hat und endlich entspannt loslässt, kann etwas anderes, Unbenennbares aus der Tiefe heraus erfahren werden.
Ich war roh, wurde gekocht und bin verbrannt. (Rumi)
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