Editorial Ausgabe September 2010
Liebe Leserinnen und Leser,
erst die Bilder aus dem zerstörten Haiti, dann die verheerenden Waldbrände in Russland und nun die Fluten in Pakistan. Allen gemeinsam: die unendliche Not der Menschen. Von einem Moment zum anderen ohne Hab und Gut, mit der Angst um das eigene Leben und das seiner Lieben, angewiesen auf Hilfe von Anderen. Da gibt es keine Infrastruktur, auch kein soziales Netz, und jeder kämpft um das eigene Überleben. Wir hier in Europa kennen solche Situationen nur aus den Erzählungen der älteren Generation, unsere Betroffenheit und unser Mitgefühl versuchen wir aber mit Spenden zum Ausdruck zu bringen.
Mir fällt dabei auf, und wahrscheinlich geht es Ihnen auch so, dass man sich in solchen Situationen bewusst macht, wie gut es uns im Vergleich dazu geht. Die vielen Annehmlichkeiten des Alltags werden als selbstverständlich in Anspruch genommen, und jetzt wird uns wieder einmal klar, dass Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt, dass das Standby eines Fernsehers wie auch der PC Stromfresser sind, dass Waschmaschinen und warmes Wasser bzw. Wasser überhaupt Luxusgüter sind. Dinge, die wir ohne Nachdenken konsumieren, als ob wir „Außerirdische“ wären auf dieser Erde.
Schlendem Sie doch einmal durch eine europäische Großstadt und das Wort Bescheidenheit bekommt eine besondere Bedeutung. Ich will nicht zurück in die Steinzeit, aber es kann doch nicht sein, dass wir nur bei Katastrophenalarm aus dem bequemen Fernsehsessel heraus den Geldbeutel für eine schnelle Spende zücken und ansonsten so tun, als ob diese Welt uns servierfertig zum Gebrauch zu Füßen liegt. Das darf doch nicht sein!
Keine Generation hat so außerhalb der Naturgesetze leben dürfen wie wir, und doch: Umdenken – gerne, aber nicht mit mir! Ignoranz und Egoismus verdrängen das Denken an den Nächsten. Klar, jede Spende lindert Not, aber ein Ändern unserer Lebensgewohnheiten würde über Jahre hinaus die vorhersehbare Not der nächsten Generation lindern. Wir müssen lernen, uns aus der Scheinwelt des bequemen Alltags zu verabschieden und uns langsam aber sicher an ein Leben im Einklang mit den Naturgesetzen, die Teil einer schöpferischen Ordnung sind, zu gewöhnen. Dazu gehört eine neue Bescheidenheit und Respekt gegenüber allen Ressourcen dieser Erde. Dazu gehört auch ein Um- und Nachdenken beim wöchentlichen Einkauf im Supermarkt.
Ein Leben in der Balance zwischen heute und morgen hilft nicht nur den Kindern von morgen, sondern uns selbst zuerst. Bescheidenheit, Demut und Einfachheit sindn bekanntlich eine Zier. Der Nachsatz: „doch weiter komme ich ohne ihr“ muss ab sofort der Vergangenheit angehören!
Mit herzlichen Grüßen
Ihre

