Holunder Die Abwehrkräfte stärken
Auf dem Land, besonders in abgelegenen Gegenden, wachsen Holundersträucher häufig in den Gärten und auf den Höfen der Landwirte. Der Holunder trägt deshalb auch den Beinamen „Hausapotheke der Bauern“, da seine Blüten, Beeren, Rinde und Wurzeln früher als Heilmittel für Mensch und Tier eingesetzt wurden und vielerorts bis heute noch geschätzt werden. Dass er eine vielseitige Heilwirkung hat, ist durch wissenschaftliche Studien belegt – was das Bundesgesundheitsamt immerhin dazu bewogen hat, die positive Wirkung von Holunderblüten bei fieberhaften Infekten zu bestätigen.
Archäologische Funde in der Schweiz und Oberitalien zeugen davon, dass es den Strauch bereits in der Steinzeit gab. Ob ihn die frühen Menschen schon als Naturheilmittel verwendeten, ist nicht bekannt. Erste diesbezügliche Verweise sind aus der Antike überliefert. Der griechische Arzt Hippokrates (460 - 377 v.Chr.) nannte den Holunder seinen Medizinschrank. Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 - 1179) konnte sich nicht so sehr mit dem heilenden Holunder anfreunden: sie befand, er tauge nicht zur Behandlung des Menschen. Sebastian Kneipp hielt es hingegen mehr mit Hippokrates: er empfahl die Beeren für Blutreinigungskuren und den Tee aus der Wurzel des Strauchs zur Entschlackung.
Der Holunder wächst vor allem in ganz Europa, Vorderasien, Nordafrika und Nordamerika. Er ist aber auch in Australien, Zentralasien, Süd- und Mittelamerika beheimatet.
In den Mythologien vieler Völker spielt der Strauch nicht selten eine wichtige Rolle. Für die Kelten war er heilig. In ihrem Baumhoroskop nahm er als Verkörperung der Unendlichkeit des Lebens die letzte Stelle der Jahresbäume ein. Mit ihm schließt sich der Jahreskreis als Symbol des Todes und der Wiedergeburt. Auch die Germanen verehrten den Holunder und die mit ihm verbundene Muttergöttin Holda. Sie wurde zur Schutzpatronin für Haus und Hof, Mensch und Pflanzen, der man Opfergaben wie Milch, Brot und Bier darbrachte. Die Brüder Grimm machten aus Holda „Frau Holle“, die ihre Kissen ausschüttelt, wenn es auf der Erde schneit.
„So lange die Menschen an Frau Holle glaubten, war es bei Strafe verboten, einen Holunderbusch zu fällen oder zu beschädigen“, erklärt Ellen Heidböhmer, die sich mit der Heilpflanze ausführlich beschäftigt hat. Es hieß, wenn jemand dieses Gebot ignorierte, würde er mit Krankheit oder dem Tod bestraft. Bis ins 18. Jahrhundert hinein baten die Menschen einen Holunderbusch um Verzeihung, wenn sie ihn fällen mussten.
Auch die Nomaden Zentralasiens, die Indianervölker Amerikas und die Ureinwohner Aust raliens, die Aborigines, schätzen den Holunder wegen seiner Heilkraft. So verwendeten sie etwa seine Rinde, um Gift aus Wunden zu ziehen.
Vorsicht ist geboten beim Zwergholunder, der auch als Attich, Eppich oder Ackerholler bekannt ist. Seine Früchte sind giftig und dürfen auf keinen Fall verzehrt werden!
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