WENN AUS FAMILIENGESCHICHTE EIN ROMAN WIRD
Autorin Katherine Howe verarbeitet die Hexenprozesse von Salem
Foto: Brian Pellinen
Bei der familiären Vorgeschichte hätten Sie auch ein Sachbuch schreiben können. Was hat Sie gereizt, daraus einen Roman zu machen?
Es ist nicht ungewöhnlich, eine fiktionale Geschichte, in der reale Personen auftauchen, zu schreiben. Wenn Leute das erste Mal von Salem und den Hexenprozessen hören, dann in der Regel durch Arthur Millers Stück Hexenjagd. Als Vorlage dafür dienten ihm reale Personen, die damals gelebt haben. Nathaniel Hawthorne ging bei seinem Roman Der scharlachrote Buchstabe ebenso vor. Ich habe mich für die Romanform entschieden, weil es sehr viele gute Sachbücher gibt, die sich mit der Kolonialzeit und den Hexenprozessen von Salem beschäftigen. Ich finde, die Fiktion gibt uns die Möglichkeit, die persönliche Ebene einer Geschichte zu erzählen. Denn ich kann sie dann so schreiben, dass der Leser sich mit den Figuren identifiziert. Die Ereignisse liegen so lange zurück, und damals hatten die Menschen eine ganz andere Sicht auf die Ereignisse. Es fällt uns heute oft schwer, diese Sichtweise nachzuvollziehen. Deshalb habe ich zwei Erzählebenen gewählt: Ein Handlungsstrang spielt in der Vergangenheit, und der andere sehr nahe in der Gegenwart. Denn ich denke, wir brauchen die Hauptfigur Conny als Mittlerin zwischen uns und der Vergangenheit. Einige unserer heutigen Ansichten sind – auch wenn uns das nicht bewusst ist – in dieser Historie verankert.
In der Kolonialzeit war das Klischee vorherrschend, Frauen wären schwächer als Männer. Das war auch ein Grund dafür, warum mehr Frauen als Männer der Hexerei angeklagt wurden. Man nahm an, dass sie empfänglicher für böse Einflüsse seien. Aus heutiger Sicht mutet das schon etwas seltsam an. Ich finde, gerade solche Ansichten lassen sich einfach besser durch eine fiktionale Geschichte beschreiben.
Im 17. Jahrhundert war es völlig normal, an die Existenz von Hexerei zu glauben.
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