Im letzten Jahr ließ sich ein neuer Trend ausmachen, es ging ums Fasten, genauer ums digitale Fasten. Da übten sich gestresste Journalisten und Filmemacher in Enthaltsamkeit, gewissermaßen im Selbstversuch, um die Erfahrung später unters geneigte Volk zu streuen.
Heroisch gab Alex Rühle, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, sein Dienst-Blackberry zurück und ließ seinen Internetzugang sperren. Ein halbes Jahr versuchte er sich in digitaler Abstinenz und arbeitete wie dereinst wieder analog. So weit wollte der Dokumentarfilmer Florian Opitz erst einmal nicht gehen, obwohl auch ihm wie schon Alex Rühle klar war, dass sich etwas ändern muss. Denn Internet, Smartphone, Blackberry & Co bestimmen derart ihr Leben, dass der Blick ins Netz oder mal eben die Mails checken zum absoluten Muss geworden ist.
Florian Opitz ertappte sich immer öfter dabei, dass er sich überhaupt nicht mehr auf seine Arbeit konzentrierte. Sobald der Eingang einer neuen Mail angezeigt wurde, musste er nachsehen, und weil er sowieso gerade dabei war, folgte noch der schnelle Klick ins Web, um die neuesten Nachrichten zu überfliegen. Verknüpfte Links leiteten ihn von einer interessanten Seite zur nächsten. Im Nu waren mehrere Stunden vergangen und die eigentliche Arbeit liegengeblieben.
Im Kampf gegen das Diktat der Geschwindigkeit verläuft die vorderste Front direkt durch unseren Kopf. Solange wir unsere innere Einstellung nicht ändern, werden wir immer instinktiv auf Beschleunigung schalten, sobald uns dies geboten erscheint.
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